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Gauß als Astronom und die Göttinger Universitäts-Sternwarte
Seite 2

Gauß und die Göttinger Universitäts-Sternwarte
Gaussdenkmal in Göttingen
Das Gaussdenkmal in Göttingen. Hier lehrte und starb der große Physiker sitzend in seinem Stuhl in der alten Sternwarte

Bereits 1807, im Alter von nur 30 Jahren, wurde Gauß zum ordentlichen Professor der Astronomie und Direktor der Göttinger Universitäts-Sternwarte ernannt. Neben seiner Theorie zur Bewegung der Himmelskörper publizierte er bis 1823 zahlreiche wichtige astronomische Arbeiten wie beispielsweise ein Verfahren zur Bestimmung der Polhöhe und der Sternzeit, mehrere Tafeln zur sphärischen Astronomie und zur Sonnenbewegung und eine grundlegende Arbeit über die säkularen Störungen der Bahnelemente der Planeten.
    Fast 40 Jahre lang wohnte und arbeitete Gauß in der „neuen“ Sternwarte der Georg-August-Universität. Die erste Sternwarte befand sich in einem Turm in der mittelalterlichen Stadtmauer, wo Gauß während seines Studiums und in den ersten Jahren seiner Professorenzeit tätig war. Dieses Gebäude genügte den Ansprüchen der Göttinger Gelehrten Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr, weshalb 1803 außerhalb des Walles unter der Leitung des Universitätsbaumeisters Georg Heinrich Borheck mit dem 1816 fertig gestellten Neubau begonnen wurde. Diese Sternwarte ist bis heute die einzige staatliche (früher königliche) Sternwarte in Niedersachsen bzw. dem früheren Königreich Hannover. Von dort aus machte Gauß die Göttinger Astronomie weltweit bekannt, so dass die Sternwarte im 19. Jahrhundert einen Mittelpunkt des naturwissenschaftlichen Lebens in Europa bildete. Obwohl Gauß sich im Weltruhm sonnte, blieb er bis zu seinem Tod im Jahr 1855 mit Göttingen und der Universitäts-Sternwarte verbunden. Lukrative Abwerbversuche wie Professuren in St. Petersburg, Berlin und Leipzig lehnte er ab und umschrieb das geistige Klima der südniedersächsischen Universitätsstadt mit den Worten: „Nichts könne mir angenehmer sein, als wenn Sie einmal auf längere Zeit Ihren Aufenthalt in Göttingen nehmen wollten. Welche Vorzüge auch große Orte in Rücksicht auf andere Genüsse haben mögen, so können Sie doch nirgends eine größere Wärme für diejenigen Bestrebungen antreffen, die darauf gerichtet sind, der Natur ihre Geheimnisse abzulauschen.“
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    Für seine Forschung in der Sternwarte erwarb Gauß bedeutende astronomische Instrumente, z. B. im Jahr 1814 das Fraunhoferscher Heliometer und 1818 den Repsoldschen Meridiankreis. Von 1824 bis 1844 führte er allerdings nur wenige astronomische Beobachtungen durch und widmete sich vorrangig der Landesvermessung, dem Maß- und Gewichtswesen, dem Erdmagnetismus und magnetisch-physikalischen Fragestellungen. Als sensationeller Meilenstein in dieser Zwischenphase ist die weltweit erste Telegraphenverbindung zu erwähnen, die Gauß 1833 zusammen mit Wilhelm Eduard Weber in Betrieb nahm. Gauß erfand das Magnetometer und verkabelte die Sternwarte mit dem physikalischen Institut, der Arbeitsstätte Webers. Die beiden Gelehrten tauschten dabei über elektromagnetisch beeinflusste Kompassnadeln Nachrichten aus und waren damit Pioniere einer Technologie, die zu einschneidenden Veränderungen des Verkehrs- und Wirtschaftslebens im 19. Jahrhundert führte.
    Erst ab etwa 1844 beschäftigte sich Gauß wieder verstärkt mit der Astronomie. Als einer der ersten Astronomen beobachtete er den Planeten Neptun. Die wohl letzten von Gauß selbst noch ausgeführten Beobachtungen beziehen sich auf verschiedene Kleinplaneten und auf die Sonnenfinsternis vom 28. Juli 1851. Am 23. Februar 1855 verstarb er in der Sternwarte, wo auch die Trauerfeier abgehalten wurde.
    Im Verlauf seines ruhmreichen Arbeitslebens entwickelte sich die Universität Göttingen zu einem international anerkannten Zentrum der Naturwissenschaften, wofür Gauß durch sein Wirken die Grundlagen gelegt hat. Besondere Attraktivit\'fcbte der Wissenschaftsstandort Sternwarte auch auf spätere renommierte Wissenschaftler aus: 1901 kam beispielsweise Karl Schwarzschild (1873 - 1916) nach Göttingen. Schwarzschild gilt als einer der Begründer der modernen Astrophysik und leistete große Beiträge in den Bereichen Instrumentierung, Optik, Relativistik und Sternatmosphären. So fand er als erster eine Lösung der Einsteinschen Feldgleichungen, eine Lösung statischer, stabiler schwarzer Löcher.
    Noch heute hat die inzwischen denkmalgeschützte Sternwarte in Wissenschaftskreisen und darüber hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad. Zusammen mit Gauß‘ Portrait war sie als eines von mehreren Göttinger Gebäuden auf dem letzten 10-D-Mark-Schein abgebildet.  Äußerlich zeigt sie sich noch immer im historischen Erscheinungsbild. Unter verschiedenen anderen dort untergebrachten Erinnerungsstücken wird in der Sternwarte eine von Gauß‘ schwarzen Hausmützen aus Samt aufbewahrt, ebenso wie etliche seiner astronomischen Geräte. Der Gauß‘sche Geist ist also im Inneren noch vielerorts spürbar.
    Trotz ihrer weitreichenden Bedeutung und Geschichte wird die Sternwarte nur noch bis Sommer 2005 für Forschung und Lehre genutzt. Im Jahr des 150. Todestages von Gauß sollen die Göttinger Astronomen und Astrophysiker in einen modernen Neubau aus Beton im Nordbereich der Universität umziehen. Mit dem Auszug wird zweifelsohne ein Stück Wissenschaftsgeschichte aufgegeben. Da aber heutige Beobachtungen fast nur noch an Großteleskopen fernab jeglicher Städte durchgeführt werden, wird der Wechsel für die aktuelle astronomische Forschung in Göttingen keine Beeinträchtigung darstellen. Über die Zukunft der Sternwarte gibt es bisher noch keine klaren Informationen, allerdings bietet der Auszug in erster Linie die Möglichkeit, das Gebäude zu restaurieren und den Garten wieder in den Zustand vom Beginn des 19. Jahrhunderts zurückzuversetzen. So soll das 1902 auf den Hainberg am Rande Göttingens verlegte magnetische, ebenfalls von Gauß konzipierte Observatorium wieder im Garten der Sternwarte aufgebaut sowie der westliche Meridiansaal rekonstruiert werden.
    Zur Zeit erinnern an Gauß‘ Forschungsarbeiten in Göttingen die beiden dortigen Ausstellungen „Wie der Blitz einschlägt, hat sich das Rätsel gelöst“ (Start: 23. Februar 2005) sowie „Mathematik zum Anfassen_Start: 30. Mai 2005).

Anhang

Die Gauߑsche Osterformel:
a = Jahr mod 19
b = Jahr mod 4
c = Jahr mod 7
H1 = Jahr div 100
H2 = Jahr div 400
N = 4 + H1 - H2
M = 15 + H1 - H2 - [(8 * H1 + 13) div 25]
d = (19 * a + M) mod 30
e = (2 * b + 4 * c + 6 * d + N) mod 7
wenn d + e = 35, dann ostern = 50
wenn d = 28 und e = 6 und a > 10, dann ostern = 49
in allen anderen Fällen: ostern = 22 + d + e

Für die Ganzzahldivision zweier Zahlen wird die Kurzbezeichnung „“ für Modulo-Divisionen die Kurzbezeichnung „mod“ verwendet.
Beispiel hierzu für Jahr = 2005:
a = Jahr mod 19 = 2005 mod 19 = 10
b = Jahr mod 4 = 2005 mod 4 = 1
c = Jahr mod 7 = 2005 mod 7 = 3
H1 = Jahr div 100 = 2005 div 100 = 20
H2 = Jahr div 400 = 2005 div 400 = 5
N = 4 + H1 - H2 = 4 + 20 - 5 = 19
M = 15 + H1 - H2 - [(8 * H1 + 13) div 25]
    = 15 + 20 - 5 - [(8 * 20 + 13) div 25]
    = 30 - [173 div 25] = 30 - 6 = 24
d = (19 * a + M) mod 30 = (19 * 10 + 24) mod 30
   = 214 mod 30 = 4
 e = (2 * b + 4 * c + 6 * d + N) mod 7
    = (2 * 1 + 4 * 3 + 6 * 4 + 19) mod 7 = 57 mod 7 = 1
ostern = 22 + d + e = 22 + 4 + 1 = 27

Daher fällt Ostersonntag im Jahr 2005 auf den 27. März.

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