Babies entschlüsseln perspektivische Informationen teilweise bereits im Alter von fünf Monaten
Schon im zarten Alter von fünf Monaten lassen sich Kleinkinder durch
komplexe Entfernungsinformationen in perspektivischen Zeichnungen aufs
Glatteis führen. Das konnten Psychologen der Universität Bonn
nachweisen. Sie befestigten zwei Gummifiguren auf einem Bild, auf dem
ein Schachbrettmuster von ihren kleinen Versuchspersonen wegzustreben
schien. Die Säuglinge griffen daraufhin häufiger nach dem Spielzeug,
das ihnen aufgrund der durch die Zeichnung vorgegaukelten
Entfernungssignale näher schien. Das ganze klappte teilweise schon bei
fünf Monate alten Kindern. Bislang nahmen die meisten Experten an, dass
Säuglinge perspektivische Distanzinformationen erst erheblich später
entschlüsseln können.
Das große Pflaster auf seinem rechten Auge scheint den fünfmonatigen
Samuel nicht zu stören. Er gluckst zufrieden und zupft neugierig an dem
weißen Vorhang vor seiner Nase, bis der von einer unsichtbaren Macht in
die Höhe gezogen wird. Samuel blickt nun auf ein Schachbrett, das so
gezeichnet ist, dass es von ihm wegzustreben scheint. Von diesem
Hintergrund glotzen ihn zwei leuchtend orange Nilpferde an; Samuel
guckt interessiert zurück. Er grabscht nach dem rechten Gummitier, das
ein wenig tiefer angebracht ist als sein linker Artgenosse; es piepst,
der Vorhang sinkt herab. Als er sich ein paar Sekunden später wieder
öffnet, haben zwei Pelikane den Platz der Nilpferde eingenommen.
Diesmal sitzt der linke Vogel tiefer. Samuel greift ihm an den
leuchtend roten Schnabel, ein Piepsen, der Vorhang fällt. Nach zwei
Dutzend weiteren Durchgängen ertönt aus dem Off ein "Vielen Dank, das
war's", dann ist Samuels Auftritt im Psychologischen Institut der Uni
Bonn schon beendet.
 Samuel beim Wahrnehmungstest Foto: Frank Luerweg/Uni Bonn
"Wir untersuchen hier, ab wann Kleinkinder perspektivische
Bildinformationen entschlüsseln können", sagt Laura Hemker, die an dem
Institut promoviert. Problem: Selbst das aufgeweckteste Kind kann im
Alter von fünf Monaten noch nicht sagen, was es sieht. Daher mussten
sich die Wissenschaftler um den Privatdozenten Dr. Michael Kav¨ek einen
Trick einfallen lassen, um dem Wahrnehmungsvermögen ihrer kleinen
Probanden auf die Schliche zu kommen. "Wenn man Säuglingen zwei
Spielzeuge anbietet, greifen sie in der Regel nach dem näheren",
erklärt Laura Hemker. "Diese Tatsache nutzen wir für unser Experiment."
Die Doktorandin setzte 20 siebenmonatige und 20 fünfmonatige Kinder vor
den Schachbretthintergrund. Aufgrund der Perspektive scheinen
Spielfiguren, die weiter oben in Nähe des Horizonts befestigt sind,
weiter entfernt als Gummitiere, die ein wenig tiefer sitzen -
allerdings nur, wenn der Betrachter ein Auge abdeckt. Ansonsten
überdecken die stereoskopischen Informationen, die der Blick mit zwei
Augen liefert, den perspektivischen Effekt, den die Schachbrettebene
vortäuscht. "Genau diese Beobachtung machen wir auch bei unseren
kleinen
Probanden ", so Julia Niehl, eine der studentischen Mitarbeiterinnen.
"Wenn sie mit beiden Augen sehen, entscheiden sie sich zufällig für
eines der beiden Gummitiere.
Wenn wir ihnen aber ein Auge abdecken, greifen sie häufiger nach dem
Spielzeug, das weiter unten angebracht ist und ihnen daher aufgrund der
perspektivischen
Informationen im Hintergrundbild näher erscheint."
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Immerhin 19 der 20 siebenmonatigen Probanden griffen "einäugig"
signifikant häufiger nach unten als nach oben. In acht von zehn Fällen
versuchten sie zunächst, das scheinbar nähere Spielzeug zu betatschen.
Durften sie dagegen mit beiden Augen gucken, hatte die Anordnung der
Gummitiere keine Auswirkung auf das Greifverhalten.
Selbst bei den fünfmonatigen Babies waren es noch 16 von 20, die auf
die perspektivischen Informationen ansprachen - für die Psychologen
eine Überraschung: Bisher gingen die meisten Experten nämlich davon
aus, dass Säuglinge über diese Fähigkeit erst mit etwa sieben Monaten
verfügen - "und zwar quasi von einem Tag auf den anderen, fast als wenn
man einen Schalter umlegt", so Dr. Kav¨ek, der die Wahrnehmungsstudie
leitet. "Unsere Ergebnisse sprechen aber eher für einen
kontinuierlichen Entwicklungsprozess: Kleinkinder nehmen schon sehr
früh Tiefensignale wahr; je älter sie sind, desto weniger deutlich
müssen die Signale sein und desto besser funktioniert's."
Wahrscheinlich klappt die Wahrnehmung von Perspektive sogar noch
früher. Um diese These zu überprüfen, müssten die Psychologen aber
ihren Versuchsansatz verändern: Gezielt greifen können die meisten
Säuglinge nämlich erst mit vier bis fünf Monaten.
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» 3 Kommentare
1"Cool" am Montag, 6. Juni 2005 14:03
Die seite ist echt toll und diese Seite wurde Kindgerecht aufgebaut.
2Kommentar am Dienstag, 21. Juni 2005 09:48
ich finde diese seite echt klasse!
3Kommentar am Dienstag, 21. Juni 2005 14:19
Ich finde diese seite voll cool und das was dieser typ da über mir sagte find ich voll bescheuert-stop-
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