Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und
Hals-Chirurgie meldete anläßlich ihres Jahreshauotkongresses in Erfurt
vom 04. – 08. Mai 2005, dass der sogenannte Lagerungsschwindel mit
einfachsten Mitteln heilbar sein kann:
So vielgestaltig wie die Ursachen und Ausprägungen von Schwindelgefühl
ist auch die mögliche Therapie. Und was der Laie nicht weiß: Manchmal
ist sie ebenso einfach wie genial. Auf der 76. Jahresversammlung der
Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und
Hals-Chirurgie Anfang Mai 2005 in Erfurt wird ein solches Verfahren
anschaulich gemacht: Privatdozent Dr. med. Leif Erik Walther, Oberarzt
an der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde und Plastische Kopf-
und Halschirurgie am Universitätsklinikum Aachen, erläutert die
Behandlung des sogenannten benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels.
Hilfsmittel: die Hände des HNO-Facharztes. Therapiedauer: wenige
Sekunden. Erfolgsquote: mehr als 90 Prozent.
„Schwindel“ ist in der Umgangssprache ein eher unbestimmter Begriff. Er
stammt aus dem Mittelhochdeutschen („swindel“) und bedeutet heute
sowohl im medizinischen als auch im juristischen Sinne, dass „irgend
etwas nicht zusammen stimmt“. Die Ursache liegt in unseren Sinnen: „Bei
Schwindelepisoden, wie sie wohl jeder schon einmal erlebt hat, passen
die Wahrnehmungen des im Innenohr lokalisierten Gleichgewichtsorgans,
des Auges und des Gehirns nicht zusammen“, erklärt Dr. Walther. „Der
Betroffene fühlt sich so, als ob er sich dreht, schwankt, gehoben wird
oder fällt.“ Aber auch unbestimmtes Unwohlsein und Schwarzwerden vor
Augen werden im Volksmund oft als „Schwindel“ bezeichnet.
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Noch vielfältiger als die Ausprägungen des Schwindelgefühls sind seine
möglichen Ursachen. Mehr als 300 sind bis heute bekannt. Sie reichen
von Wirbelsäulenfehlhaltungen über einen zu hohen oder zu niedrigen
Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Alkohol oder Medikamente, seelische
Erkrankungen, Grünen Star oder Migräne bis hin zu Tumoren, um nur
einige Möglichkeiten zu nennen. Deshalb ist für den Arzt zunächst kein
Untersuchungsbefund so wichtig wie die Krankengeschichte (Anamnese) des
Patienten. „Aber nicht nur auf subjektive Angaben muss der HNO-Facharzt
sich verlassen“, betont Walther. Denn Art und Intensität von
Schwindelgefühlen, die im Ohr ausgelöst werden, sind für ihn oft im
Auge ganz objektiv abzulesen: „Die Augen beginnen sich auf bestimmte,
je nach Erkrankung verschiedene Weise rhythmisch zu bewegen. Man nennt
dies auch 'Nystagmus'.“
Schwindel ist weit verbreitet. Etwa 20 Prozent der Patienten, die einen
Allgemeinarzt aufsuchen, leiden unter häufigen oder dauernden
Schwindelbeschwerden. Besonders hartnäckige Formen von
Schwindelerkrankungen können sogar zur Invalidität führen, weil die
Betroffenen in ihrem Alltag „aus dem Gleichgewicht“ geraten und im
wahrsten Sinne des Wortes „nicht mehr geradeaus gehen können.“ So weit
muss es aber nicht kommen. Wie bei so vielen Erkrankungen spielt die
frühzeitige Diagnose und Behandlung eine wichtige Rolle, um
Schwindelerkrankungen in den Griff zu bekommen.
Die Therapiemöglichkeiten beinhalten – je nach Ursache – Medikamente,
Operationen oder auch nur einfach wirkende Lagerungsmanöver: Gegen den
„benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel“ beispielsweise, der durch
winzige im Innenohr an die falsche Stelle gelangte Partikel verursacht
wird, hilft ein solches physikalisches Manöver. Dabei hält der
HNO-Facharzt den Betroffenen am Kopf fest und bewegt den gesamten
Patienten innerhalb weniger Sekunden mehrmals in genau berechneter
Weise hin und her. Die winzigen Partikel, auch Otolithen genannt,
werden dadurch wieder an ihren angestammten Platz geschleudert. „90
Prozent der Betroffenen sind nach ein oder zwei solcher
Therapiesitzungen beschwerdefrei“, freut sich Walther. Und das ist auch
gut so: „Etwa zehn Prozent der Bevölkerung erleben irgendwann im Laufe
des Lebens einmal einen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel“, so
der HNO-Facharzt. „Selten tritt er nochmals auf. Dann muss eben das
Manöver nochmals durchgeführt werden“, ergänzt er. Hier ist der Name
zugleich Programm: „Benigne“ bedeutet „gutartig“.
Ebenfalls ungefährlich, aber lästig ist die Reiseübelkeit und auch ihre
Sonderform, die Seekrankheit. Für die einen eine immer wiederkehrende
Quälerei, für die anderen überhaupt nicht nachvollziehbar sind diese
sogenannten Kinetosen; sogar Astronauten in der Schwerelosigkeit
erleben sie mitunter. „Ständig wechselnde oder einander widersprechende
Reize auf Auge und Gleichgewichtsorgan bringen eben manche Menschen
gründlich aus dem Takt“, stellt Dr. Walther fest. Erste Beschwerden
sind Gähnen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit. „Hier helfen Medikamente,
die man rechtzeitig vor Reiseantritt als Tablette einnehmen oder als
Pflaster auf die Haut kleben kann. Und zwar möglichst direkt hinter dem
Ohr, wo der Wirkstoff am besten durch die Haut dringen kann.“ Hilfreich
sei es auch, vorausschauend auf weit entfernte Ziele in Fahrtrichtung
zu schauen, so Walther. „Vielleicht ist das der Grund, warum
Fahrzeugführer deutlich seltener über Reiseübelkeit klagen als ihre
Autokarten lesenden Beifahrer(innen).“
Langwierig, aber bei vielen Schwindelerkrankungen erfolgreich ist eine
Art Gewöhnungstraining mit der gezielten Einübung koordinierter
Bewegungen. So findet sich in manchen HNO-Lehrbüchern der Satz „Zur
weiteren Ertüchtigung ist das Tanzen sehr zu empfehlen.“ Also: In
Position!
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.
Geschäftsstelle: Hittorfstraße 7, 53129 Bonn
Tel. (02 28) 23 17 70
Fax (02 28) 23 93 85
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» 2 Kommentare
1"...so ganz beruhigt bin ich noch nicht.." am Freitag, 24. November 2006 12:49
....aber nachdem mir Dinge wie Schlaganfall und Tumor durch die Gedanken geisterten, geht es mir nun doch etwas besser. Da ich auch Epilepsie habe, jedoch stabil medikamentiert, gingen meine Vermutungen auch in diese Richtung. War gestern abend in der Notambulanz, nachdem in der Nacht zuvor besagter Lagerschwindel mitten in der Nacht auftrat. CT ist ok, die Neurologin war sehr kompetent und diagnostizierte den Lagerschwindel. Am Montag soll beim weiterbehandelnden Arzt ein Messung(???) dur
2Kommentar am Sonntag, 25. Oktober 2009 19:13
Hallo, mein Vater leidet schon seit 2 Jahren an Lagerschwindel und traut sich schon gar nicht mehr Autofahren. Kennt jemand einen HNO-Arzt in der Nähe von Augsburg der diese Methode bereits praktiziert?
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