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Die psychischen Probleme bei Patienten mit Organtransplantationen
Seite 2: Psychische Probleme
01.07.2005 - Universität Leipzig: Wie verändert sich der Körper eines Schwerkranken nach einer Organtransplantation? Nimmt der Körper das neue Organ an? Welche psychischen Einflüsse haben Organtransplantationen auf den Patienten? Die Neuerscheinung "Der Prothesengott" erörtert die mit Organtransplantationen verbundenen  psychischen Probleme, da nicht selten der Körper das neue Organ zwar annimmt, der Patient es aber als Fremdkörper betrachtet.

Wenn ein Schwerkranker eine Organtransplantation hinter sich hat, beginnt für ihn ein neues Leben - mit neuer Hoffnung aber auch neuen Problemen. Wie verändert sich die Welt für ein Individuum, das ein Stück eines anderen Menschen in sich aufgenommen hat? Und wie verändert sich eine Gesellschaft, in der solche "Reparaturarbeiten" immer selbstverständlicher werden? Der Psychologe Dr. Oliver Decker, Mitarbeiter der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universität Leipzig, beschäftigt sich mit diesem Thema.

Ihr Buch, das vor einigen Monaten erschien, heißt "Der Prothesengott". Wie kamen Sie auf diesen wunderlichen Titel?
Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von Freud. Mich faszinierte dessen Vielsinnigkeit, die sowohl medizinische, psychische als auch soziale Aspekte hat. Der Mensch strebt danach, sich selbst zu vervollkommnen, zu vergöttlichen. Dazu braucht er die Ergänzung, das Ersatz-Stück - die Prothese. Noch nie wurde so massiv wie heute am Körper gestaltet, aus medizinischen Erfordernissen oder auch nur, um auf sich aufmerksam zu machen. Es begann mit Krücken und künstlichen Gliedmaßen, später kamen Transplantationen und weiter geht das mit dem Klonen und Hirn-Schrittmachern. Selbst das Tattoo oder das Piercing haben was von einer Prothese, einem Zusatzstück für den sich unvollkommen fühlenden Menschen. Das alles macht was mit dem so ergänzten Einzelnen und mit der Gesellschaft als Ganzes.

Sie haben also ein Buch für Philosophen geschrieben?
Und auch für Mediziner, Psychologen, Theologen, Politologen, Psychoanalytiker... Kurzum, für alle, die sich mit dem "Mangelwesen Mensch" und den explodierenden Möglichkeiten, es zu vervollkommnen auseinandersetzen.

{mosaddphp:google-fona.php}Ein theoretisches Buch?
Durchaus. Es enthält keine Handlungsanweisung "Wie verkrafte ich eine Organtransplantation?" Aber es basiert auf der Auswertung ganz praktischer Erfahrungen. Die haben wir unter anderem gesammelt, indem wir Menschen nach einer Nierentransplantation baten, alles, was sie bewegt, in ein Tagebuch zu schreiben.
{mosaddphp:buecher-content.php,Organtransplantation}

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