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| Postpartale psychische Erkrankungen im Widerspruch zum idealen Mutterbild | | Drucken | |
Seite 1 von 11 ![]() Nach der Geburt: oft folgen Wochenbettdepressionen statt Mutterglück (Foto: photocase.com) Postpartale psychische Erkrankungen wurden bereits vor mehr als 2000 Jahren im „Corpus Hippocraticum“ erwähnt. Diese Schriftensammlung wurde vom 6. Jh. v. Chr. bis ins 1 Jh. n. Chr. von unterschiedlichen Gelehrten zusammengestellt. In der Neuzeit beschrieb der Portugiese Esteban Rodrigo Anfang des 17. Jahrhunderts einige Fälle in einer Abhandlung. Mitte des 19. Jahrhunderts verfasste Louis Victor Marcé eine Monographie über perinatale psychische Störungen. Er war auch Namensgeber für die „Marcé Gesellschaft für perinatale Psychiatrie e.V.“, die zu den wenigen deutschen Fachgesellschaften gehört. Trotz ihrer langen Geschichte führen postpartale Störungen immer noch ein Schattendasein und sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Für jede Frau ist die Mutterschaft eine große Herausforderung. Sie wird vor völlig neue Aufgaben gestellt, die körperlich und psychisch sehr viel von ihr fordern – über einen langen Zeitraum hinweg. Besonders Erstgebärende müssen sich erst in ihre neue Rolle einfinden. Das bedeutet auch, dass sie viele vorgefertigte Ideale neu definieren oder sich ganz von ihnen verabschieden müssen. Aber warum kann ausgerechnet die Geburt Auslöser negativer Gefühle sein? Sollte nicht jede Frau ihr Neugeborenes in den Armen halten und vor Glück strahlen? Die Geburt ist nicht nur der Schlusspunkt der Schwangerschaft , sonder auch der Anfang eines neuen Lebens – für Mutter und Kind. Und genau das kann der Mutter mehr zu schaffen machen als sie erwartet hat - und mehr als sie psychisch und physisch verkraften kann. Viele Frauen haben schon von Baby-Blues oder Depressionen gehört, sie aber sofort wieder aus ihren Gedanken gestrichen, da sie der Ansicht sind, es würde nur sehr wenige Mütter betreffen. Ein weitverbreiteter Irrtum. Ungefähr 80 Prozent aller Wöchnerinnen entwickeln kurz nach der Geburt ein postpartales Stimmungstief. Dieses Tief hält sich meistens nur ein paar Tage und verschwindet von selbst, sobald sich der körpereigene Hormonhaushalt wieder eingependelt hat. Bei manchen Frauen dauert diese Verstimmung aber über einen längeren Zeitraum an und entwickelt sich zu einer langwierigen, behandlungsdürftigen Depression. Doch vielen Frauen fällt es schwer, sich einzugestehen, dass die Beziehung zu ihrem Kind nicht so ist, wie sie es sich vorgestellt haben und statt Glücksgefühlen Tränen fließen. Die medizinischen Erkenntnisse machen immer größere Fortschritte, die Akzeptanz in der Bevölkerung und speziell bei den Betroffenen selber, steckt dagegen noch in den Kinderschuhen.
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