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| Kinderwunsch um jeden Preis? | | Drucken | |
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Die privaten und beruflichen Verhältnisse sind geklärt – ein Kind
kann kommen, aber es kommt nicht. Jedes 6. Paar in Deutschland hofft
vergeblich auf eigenen Nachwuchs bzw. den Eintritt der Schwangerschaft . Das ist nicht allein mit dem stetig
zunehmenden Alter der Erstgebärenden zu erklären. Denn viele Paare
scheuen sich, offen zu ihrer Kinderlosigkeit zu stehen und sich
ärztlichen Rat zu suchen. Es vergehen daher oft Jahre, bis eine
Diagnose gestellt wird und in Folge dessen eine Reproduktionspraxis
aufgesucht wird. Dadurch lässt sich vielleicht auch erklären, warum
viele der Patienten bereits Ende 30 sind. Von Kristina Rickmers, Götingen Für viele Paare ist der Besuch einer Reproduktionspraxis ein einschneidendes Erlebnis, vor allem in emotionaler Hinsicht. Es entsteht oftmals eine wahre Euphorie, die der Überzeugung entspringt „alles ist möglich“. Es gibt aber trotz aller modernen Behandlungsmethoden keine Garantie für eine Schwangerschaft (siehe auch Lexikon Schwangerschaft) und die Geburt eines gesunden Kindes. Vor der Behandlung muss geklärt werden, wo die Ursachen liegen und ob eine künstliche Befruchtung überhaupt erfolgversprechend ist. Auch ist ein erhöhtes Risiko für genetisch bedingte Erkrankungen nicht von der Hand zu weisen, daher sollte eine umfassende genetische Beratung im Vorfeld erfolgen. {mosaddphp:google-fona.php} Mögliche Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit Die Ursachen einer ungewollten Kinderlosigkeit sind vielfältig. Sie können von Störungen im Fortpflanzungsapparat, hormonelle Faktoren, Folge schwerer Krankheiten, bis hin zu Alter und Lebensweise reichen - das gilt für den Mann im gleichen Maße wie für die Frau. Dennoch gibt es einige geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei der Frau: - Störungen der Ovulation - Hormonelle Faktoren - Endometriose - Abstoßung der Samen - Genetische Ursachen Beim Mann: - Störungen der Samenzellenbildung - Hormonelle Faktoren - Störung des Spermientransports - Genetische Ursachen Der Traum von der Kontrolle der Fortpflanzung Die Reproduktionsmedizin ist ein relativ neuer Medizinzweig, wenngleich die Fortschritte rasant sind und sich auch die Zahl der Behandlungsmethoden stetig erweitert. Erste Experimente auf diesem Gebiet gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. In Tierversuchen mit Hasen versuchte der Österreicher Samuel L. Schenk, Eizellen und Spermien außerhalb eines lebenden Körpers zu vereinen. Die Befruchtungsversuche schlugen zwar allesamt fehl, aber es gelang Schenk, Eizellen zu isolieren. Der erste Schritt war getan. Durch die beiden Weltkriege gerieten die Entwicklungen ins Stocken, aber bereits in den späten 30ern gelang es amerikanischen Forschern, unter dem Mikroskop zu beobachten, wie ein Spermium die Hülle der Eizelle durchdringt. Noch konzentrierte man sich in erster Linie auf Tierversuche. Doch das sollte sich bald ändern. Der Traum von der Kontrolle der Fortpflanzung beflügelte viele Forscher. Federführend war der Forscher Robert Edwards, der 1960, zusammen mit Patrick Steptoe, einen Bericht über die Möglichkeiten der extrakorporalen Befruchtung, verfasste. Edwards und Steptoe waren überzeugt, dass sie dies letztendlich schaffen würden und steckten ihre ganze Energie in die Forschung. Moralische und ethische Bedenken wurden dabei beiseite geschoben. Die Mediziner übersprangen sogar die üblichen Versuche an Primaten und experimentierten nach der „Trial-and-error“ Methode größtenteils mit menschlichem Material. Kritiker prangerten diese fragwürdigen Versuchsmethoden an. Trotzdem fanden sich genügend freiwillige Frauen, die sich die Erfüllung ihres Kinderwunsches erhofften und bereit waren, die anstrengende und schmerzhafte Behandlung auf sich zu nehmen. Es dauerte noch 18 lange Jahre bis zur ersten erfolgreichen Schwangerschaft. Im Juli 1978 kam mit Louise Brown das erste sogenannte Retortenbaby zur Welt. Therapiemöglichkeiten Die bekannteste Methode ist die In Vitro Fertilisation, kurz IVF. Es existieren in Deutschland in fast jeder Großstadt sogenannte IV-Zentren, die eine umfassende Betreuung gewährleisten. Eine kurze Übersicht der gängigsten Therapien: ICSI (Intra-cytoplasmatische Spermieninjektion) Ihren Ursprung hat diese Methode in einem Missgeschick, das einem Forscher 1991 in einem Brüsseler Labor passierte: Statt, wie bei einer künstlichen Befruchtung üblich, den Spermienfaden vor der Eizelle abzusetzen, durchstach er mit der Pipette ungewollt die schützende Membran und spritzte das Spermium direkt in die Eizelle. Einige Tage später stellte er fest, dass sich aus dem Malheur dennoch ein offensichtlich gesunder Embryo entwickelt hatte. Man hielt sich dann nicht lange mit aufwendigen Tests auf, sondern setzte die neue Methode schnell in die Praxis um. Nur ein Jahr später kam das erste durch ICSI gezeugte Kind zur Welt. Insemination Mit Hilfe eines Katheders werden speziell aufbereitete Spermien zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter übertragen. Zur Erhöhung der Erfolgsaussichten ist eine vorherige Hormontherapie zu empfehlen. Diese Methode kann auch zum Einsatz von Fremdsamen angewendet werden. IVF (In-Vitro-Fertilisation) Bei der In-Vitro-Fertilisation werden Eizelle und Samen im Reagenzglas zusammengeführt. Die eigentliche Befruchtung der Eizelle und die ersten Zellteilungen finden zwar selbständig statt, werden aber in einer speziellen Nährlösung bis zum Einsetzen in einem Brutschrank verwahrt. Nach zwei Tagen werden die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt. MESA (Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration) Der Verschluss der ableitenden Samenwege kann eine Ursache für das Fehlen von Samenzellen sein. Mit Hilfe eines Operationsmikroskops können Spermien aus den Nebenhoden extrahiert werden. TESE (Testikuläre Spermienextraktion) Mehrere kleine Gewebeproben werden aus den Hoden entnommen, um sie zu Diagnostik- oder Therapiezwecken einzusetzen. Die Folgen der künstlichen Befruchtung Gegner der Reproduktionsmedizin befürchten, dass man in Zukunft Kinder wie aus einem Versandkatalog bestellen kann, und eine Schwangerschaft nur nach der größtmöglichen Perfektion ausgerichtet wird. Es ist zwar wichtig, einem eventuellen Missbrauch vorzubeugen, aber die Realität in den Praxen sieht anders aus. Die überwiegende Zahl der Paare wünschen sich „nur“ ein Kind, vielleicht sogar um (fast) jeden Preis, aber dennoch jenseits von jeglichem Qualitätsdenken. Im Ausland gibt es zum Teil eine großzügigere Gesetzgebung, als sie hierzulande üblich ist. Das führt mitunter zu abenteuerlichen Pressemeldungen. So wurde in Spanien angeblich jüngst ein Embryo adoptiert. Von diesem Szenario ist Deutschland weit entfernt. Die Richtlinien hierzulande gehören zu den strengsten weltweit. Der Stellenwert des ungeborenen Kindes ist bereits in der Phase der Zellteilung ein sehr hoher und wird es auch in Zukunft sein. Die Auswirkungen auf das Neugeborene Eine durch künstliche Befruchtung zustande gekommene Schwangerschaft verläuft im Grunde nicht automatisch komplizierter als eine, die auf natürlichem Wege entstandenen ist. Der pränatale Diagnostikaufwand ist verständlicherweise groß, schließlich liegt hinter der werdenden Mutter oft ein bereits jahrelanger, beschwerlicher Weg, bis sich endlich der Erfolg einstellte. Die Schwangerschaft steht daher unter genauer Beobachtung, da viele Paare bereits die schmerzliche Erfahrung einer oder sogar mehrerer Fehlgeburten durchleiden mussten. Es spricht nichts gegen eine Spontangeburt, es sei denn, das Kind setzt sich kurz vor dem Geburtstermin in den Kopf, eine ungünstige Position einzunehmen. Folgen von IVF und ICSI für Mütter und Kinder Langzeitschäden durch künstliche Befruchtung konnten bis jetzt nicht festgestellt werden. Auch die Vermutung, dass die Hormone, die während der IVF-Therapie verabreicht werden, bei den betreffenden Frauen Krebs verursachen könnten, erwies sich laut einer Studie der Universität Pittsburgh als nicht haltbar. Im Gegenteil: eine Schwangerschaft, egal auf welchem Wege sie zustande gekommen ist, senkt das Krebsrisiko erheblich. Kristina Rickmers ist freie Autorin in Göttingen {mosaddphp:buecher-content.php,Künstliche Befruchtung}
» 3 Kommentare
1"stichtag"
am Mittwoch, 22. November 2006 11:38von tina hallo, meine frage lautet,kann mir jemand sagen in welche woche ich jetzt sein würde wenn die ivf geglückt wäre? eientnahme war am 7.11.06 tranfer am 10.11.06. wann wäre der eigentliche stichtag. wie rechnet man das? über eine antwort würde ich mich freuen.tina
2"Kinderwunsch"
am Samstag, 26. Mai 2007 17:16von Petra Brinkmann Hallo, ich habe die erste Folge zum Thema bei Vox leider verpasst. Hier wurde über eine mögliche künstliche Befruchtung in Österreich berichtet. Daran bin ich interessiert. Könnt ihr mir nähere Infos oder einen Artikel hierzu zusenden. Das wäre sehr nett.
Gruß Petra Brinkmann e-mail: pu.brinkmannQt-online.de 3"Vox-Folge"
am Montag, 20. August 2007 21:37von Admin Hallo Petra,
am besten ist es, dass du dich an den Sender vox direkt wendest, die haben meistens einen Mitschnittservice für sowas. MfG » Kommentar schreiben
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