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| Interview mit Prof. Udo Schneider, Suchtmediziner über Methadonersatztherapie | | Drucken | |
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Heroinabhängigkeit – ist die Substitutionstherapie eine Alternative? Die Abhängigkeit von Heroin gehört zu den schwersten suchtmedizinischen Erkrankungen, die es heute in den westlichen Industrieländern gibt. Neben schweren gesundheitlichen Schäden für die Betroffenen bringt das Problem der Heroinabhängigkeit eine Reihe auch gesellschaftlicher Folgen durch Beschaffungskriminalität und Drogenhandel mit sich. Verschiedene Therapien versuchen den suchtkranken Menschen aus der Abhängigkeit zu helfen. Von der klassischen Entziehungskur über die kontrollierte Ausgabe von Heroin durch Apotheken an Süchtige bis hin zur Verabreichung von Substituten wie Methadon erstrecken sich heute die Hilfsangebote. Im Gespräch mit FORSCHUNGSNACHRICHTEN.DE erörtern
zwei Suchtmediziner, Prof. Dr. Udo Schneider und OA Dr. med M. Zedler,
die in Hannover als Prüfärzte Suchtstudien begleiten, die Problematik. (Von: H.P. Bustami, Göttingen) In welcher Form ist die MHH in Substitutionsprogramme mit synthetischem Heroin eingebunden? Prof. Schneider: Die Abteilung für Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover ist für die medizinisch-wissenschaftliche Forschung und die Behandlung der Probanden in dem Projekt in Hannover (Ltd. Prüfärzte: Prof. Dr. med. U. Schneider, OA Dr. med. M. Zedler) zuständig. Dieses Projekt läuft parallel in mehreren anderen Städten in Deutschland (Hamburg, Frankfurt, München, Karlsruhe, Bonn). Ingesamt wurden bisher mehr als 1000 Probanden in die Studie eingeschlossen. Welche pharmakologischen Wirkstoffe kommen zum Einsatz und wie werden sie hergestellt? Dr. Zedler: Das Heroin, 3,6-Diacetylmorphin, wird in der pharmazeutischen Industrie hergestellt. Auf Mohnfeldern werden mit großen Erntemaschinen die Pflanzen von den Samen getrennt, die dann weiterverarbeitet werden. Die brauchbaren Pflanzenbestandteile werden in pharmazeutischen Fabriken zur Herstellung des Diacetylmorphins (Heroin) genutzt. Zur Applikation liegt die Substanz als Lyophilisat vor, das in Injektionswasser aufgelöst in Spritzen aufgezogen und den Probanden zur Selbstverabreichung unter Aufsicht überreicht wird. Wo sind die Wirkorte dieser Substanzen im ZNS? Prof. Schneider: Diacetylmorphin überwindet gut die Bluthirnschranke und bindet im Gehirn an spezifische Opioidrezeptoren (µ-Opioidrezeptoren). Diese Rezeptoren sind entscheidend für die euphorisierende und entspannende Wirkung der Substanz. Welche Kosten enstehen auch im Vergleich zu den gesellschaftlichen Kosten der Heroinabhängigkeit (Stichwort: Beschaffungskriminalität, Therapieplätze etc.)? Dr. Zedler: Zu den gesundheitsökonomischen Effekten der heroingestützten Behandlung liegt eine Studie aus der Schweiz von 2001 vor. Dort wurden die Bereiche Wohnen, Arbeit, Gefängnis und Gesundheitswesen berücksichtigt. Es stand den Totalkosten von CHF 51,17 ein Totalnutzen von CHF 95,50 pro Proband und Tag gegenüber. Neben der Reduktion von Kriminalität (z.B. Beschaffungsdiebstähle, Prostitution etc.) besserte sich auch der Gesundheitszustand der Probanden in der Schweiz deutlich. Zum Beispiel reduzierte sich die Rate an viralen Neuinfektionen um ca. 50%. Die Ergebnisse des bundesdeutschen Modellprojekts liegen noch nicht vor, da die Studie noch läuft. {mosaddphp:google-fona.php} Wie ist die Rechtslage für den Einsatz von Ersatzmedikamenten in dieser Studie? Prof. Schneider: Bei dieser Studie handelt es sich um eine Arzneimittelstudie, die von den entsprechenden Bundesbehörden (z.B. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) und den zuständigen Ethikkommissionen genehmigt wurde. Halten Sie die kontrollierte Abgabe von Heroin an Abhängige durch Apotheken und Krankenhäuser für sinnvoll? Prof. Schneider: Die Ergebnisse aus dem bundesdeutschen Modellprojekt liegen noch nicht vor. Nach den Untersuchungen in der Schweiz scheint sich die heroingestützte Behandlung für eine bestimmte Gruppe schwerst Opiatabhängiger zu eignen. Ob die Schweizer Ergebnisse auf die deutschen Verhältnisse übertragen werden können, ist unklar, da das Modellprojekt noch in Deutschland läuft. Die Behandlung ist jedoch nicht zu verwechseln mit einer kontrollierten Ausgabestelle für Drogen mit sozialen Angeboten. Wesentlich für die heroingestützte Behandlung ist ein integratives Konzept, das durch die streng kontrollierte Vergabe von Diacetylmorphin und eine intensive psychosoziale Betreuung (Psychoedukation, Case Management) geprägt ist. Herr Prof. Schneider, Herr Dr. Zedler, vielen Dank für das Interview Medizinische Hochschule Hannover
Abteilung für Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover http://www.mh-hannover.de/kliniken/psychiatrie/index.html
» 2 Kommentare
1"eine ansicht eines konsumenten"
am Mittwoch, 8. November 2006 17:25von Beatrix Feht Es wird immer über studien und Modellprojekte, geredet. Nur das es über unsere Kopfe hinweg getan wird, neue verordnungen und dies und das. nur das es da um echtes menschliches leben geht wird in den studien meist vergessen und das es viele gibt die mit der so genannten ersatz droge ein fast normales leben führen, und wen man den das von heut auf morgen wegnehmen würde nix anderes übrig bleibt wieder rückfällig zuwerden ob man will oder nicht. Die jeweiligen Ärzte können nach lust und laune ein
2"Die Ärzte wollen in der Regel helfen"
am Donnerstag, 22. November 2007 17:30von Admin Hallo Beate, ich muß dir widersprechen, denn i.d.R. sind Mediziner dazu ausgebildet, Menschen bei ihren gesundheitlichen Problemen zu helfen, dazu verpflichtet sie schon der Eid, den sie leisten.
Ich hab selbst viele Medizinstudenten mit ausgebildet und dabei keinen getroffen, dessen Ziel unlautere Absichten waren. Man darf bei all dem nicht vergessen, dass letztlich jeder Mensch die freie Wahl hatte, ob er Drogen nimmt oder nicht. Dass jemand abhängig wird, ist ja nun nicht die Schuld der Ärzt » Kommentar schreiben
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