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| Einsatz von Hunden in der Therapie | | Drucken | |
Seite 1 von 2 Die gesundheitsfördernde Wirkung von Tieren auf den Menschen ist seit
langem bekannt. In den USA ist der Einsatz von Hunden in der Therapie
bereits weit verbreitet. Erste Aufzeichnungen über die therapeutische
Unterstützung von Tieren stammen aus dem auslaufenden 18. Jahrhundert,
wie Dokumente der Krankenanstalten in Bethel zeigen. Dr. Boris Levinson
gilt als Pionier auf dem Gebiet der Mensch/
Begleittier-Bindungs-Bewegung. Seine Studie “Pet-oriented Child
Psychiatry” (1969) stellt den Nutzen von Tieren im Bereich der Kinder-
und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie heraus. Heutzutage wird tierunterstützte Therapie (Animal Facilitated Therapy, AFT) regelmäßig in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Hospizen und Gefängnissen der Vereinigten Staaten angewandt. In Deutschland dagegen steckt diese Art der Therapie noch immer in den Kinderschuhen. Trotzdem wird der Einsatz von Tieren als Spender von Lebensqualität immer beliebter: Seit 1996 werden an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig die Aspekte der Kind-Tier-Beziehung untersucht. Mittlerweile ist der Hund als diagnostische und therapeutische Stütze neben anderen Kleintieren fest im Therapieprozess auffälliger Kinder und Jugendlicher etabliert. Den positiven Einfluss von Hunden auf das allgemeine Wohlbefinden hat auch Dr. Doris Kahl, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Freiwilligenzentrum BONUS in Göttingen, erkannt. Dieses Zentrum organisiert ehrenamtliche Projekte in den Bereichen Kultur, Umwelt und Sozialarbeit und hat zusammen mit den “Hundedamen” der Göttinger Hundesportfreunde e. V. die Göttinger “Hunde-Runde” für Senioren und Behinderte ins Leben gerufen. Anlass für das Projekt sei der Schlaganfall ihrer Mutter gewesen, so Kahl. Bei Besuchen im Pflegeheim, wohin sie des öfteren ihren Hund mitgebracht hat, habe Kahl erstaunlich positive Verhaltensänderungen bei ihrer geistig verwirrten Mutter festgestellt. Gemeinsam mit Martina Herr, einer hauptberuflichen Mitarbeiterin im Freiwilligenzentrum, ist sie daraufhin im Herbst 2003 auf folgende Idee gekommen: “Wir machen eine Hunde-Runde für Senioren.” Seit Januar 2004 besuchen vier bis fünf berufstätige Frauchen von den “Göttinger Hundesportfreunden e. V.“ ehrenamtlich mit ihren Hunden einmal pro Woche demenzkranke Senioren im “Paulus-Stift”. Diese Hunde-Runde richtet sich speziell an Demenzkranke, weil andere Aktivitäten wie beispielweise Gesellschaftsspiele aufgrund des Gedächtniszustands nicht mehr möglich sind. Deshalb reagiert ein Großteil der älteren Herrschaften immer neu auf die vierbeinigen Besucher. Bei einer der Heimbewohnerinnen hat sich das Langzeitgedächtnis durch die Gegenwart der Hunde so verbessert, daß sie nach jedem Besuch erwartungsvoll fragt: ”Kommen die Hunde nächste Woche wieder?” Kahl erwähnt in diesem Zusammenhang die Erkenntnisse von Seiten der Gehirnforschung: “Durch die Gegenwart der Tiere wird das Stammhirn aktiviert. Dort ist Unbewusstes abgespeichert. Weil die Hunde Geborgenheit vermitteln, setzt das Erinnerungsvermögen bei Demenzkranken bruchstückweise wieder ein.” Die beruhigende Wirkung von Haustieren ist bereits von Dr. Karen Allen von der Medizinischen Fakultät der University of New York belegt worden. Über Mechanismen, die diesen Effekt auslösen, ist aber noch wenig bekannt. Ein Erklärungsmodell geht davon aus, dass negative Auswirkungen von Stress auf das Herz-/Kreislaufsystem durch die Anwesenheit von Tieren vermindert werden können.
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