Kleine Chronik des Kaiserschnitts
Julius Caesar
Schon zu Zeiten Caesars war der Kaiserschnitt bekannt
Von Kristina Rickmers. Bekannt geworden ist der „Kaiserschnitt“ durch Julius Caesar, der ihm auch seinen Namen gab. Seine Mutter ist angeblich die erste Frau gewesen , bei der ein Kind per Kaiserschnitt entbunden wurde. Wieviel Wahrheit in dieser Legende steckt, ist ungewiss. Ob römische Ärzte um 100 v. Chr. tatsächlich schon in der Lage waren, Schnittentbindungen erfolgreich durchzuführen, d.h., auch die Mutter am Leben zu erhalten, ist umstritten. Fakt ist, dass es um 715 n. Chr. ein Gesetz mit dem Namen Lex Caesara gab, das besagte, das sterbenden Müttern der Bauch geöffnet werden sollte, um das ungeborene Kind zu retten. Daher hielt sich jahrhundertelang der Begriff Partus Caesareus. Der heute immer noch gebräuchliche Begriff Sectio Caesarea setzte sich erst sehr viel später durch. Denn bis Ende des 19. Jahrhunderts überlebte kaum eine Frau die Operation - fast alle Patientinnen verstarben an inneren Blutungen oder Infektionen.

Erst im Jahr 1875 kam es am San Matteo Hospital im italienischen Padua zu einem entscheidenden Durchbruch. Dem Chirurgen Eduardo Porro gelang es, die Sterblichkeitsrate erheblich zu senken, indem er die Sectio mit der Entfernung der Gebärmutter verband. Kollegen folgten seinem Vorbild und schon kurze Zeit später konnte man einen Rückgang der Sterberate um 50% verzeichnen – zur damaligen Zeit eine medizinische Revolution!Im 20. Jahrhundert machte man auf dem Gebiet der postoperativen Versorgung wichtige und immer schnellere Fortschritte, so dass die Zahl der Todesfälle nach einer Kaiserschnitt OP heutzutage bei 0,01% liegt.
In den 1980er Jahren war eine hohe Kaiserschnittrate ein Makel für jede Geburtsklinik. Man war der Auffassung, dass der Eingriff nur deshalb ausgeführt wurde, weil die Geburtshelfer ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren. Die Anzahl der Operationen war daher stark rückläufig. Das änderte sich in den 1990er Jahren schnell ins Gegenteil. Zum einen waren die Frauen inzwischen besser informiert, zum anderen waren viel mehr Väter als vorher bei den Geburten dabei. Und gerade dieser Punkt wird von manchen Ärzten als eine der Hauptursachen für den sprunghaften Anstieg der Schnittentbindungen gesehen. Denn die anwesenden Männer, die verständlicherweise Angst um ihre Frau hatten, beeinflussten unbewusst die werdende Mutter durch ihre Sorgen und Fragen. So wurde die Partnerin in ihrer Konzentration auf den Geburtsvorgang gestört und gehindert, sich „fallen zu lassen“. Als Konsequenz entschieden sich mehr und mehr Paare für einen Kaiserschnitt, was z.B. in Großbritannien der 90er zu einem Anstieg von 33% im führte.
Seit einigen Jahren wird auch die sogenannte „Misgav-Ladach“ – Methode angewandt. Sie ist ein besonders schonendes Operationsverfahren, bei dem die Gewebsschichten nicht völlig durchtrennt werden, sondern nur leicht eingeschnitten und dann vorsichtig auseinandergezogen werden.


Kristina Rickmers, Göttingen

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