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 Ärzte bei OP. Wer will sich schon gern von übermüdeten Medizinern operieren lassen? 100-Stunden-Schichten, übermüdete Notärzte, streikender Ärztestand. Die Zeiten, als der "Halbgott in Weiss" als Inbegriff sozialer Reputation und hohen Verdienstes eine geradezu sprichwörtliche gesellschaftliche Stellung genoss, sind längst vorbei. Überstunden, Stellenstreichng und Unterbezahlung kennzeichnen heute die Situation von jungen Assistenzärzten, Klinikpersonal und anderen Angestellten im Gesundheitswesen. Der Staat ist pleite und muss an allen Ecken und Enden sparen. Unser Gesundheitssystem scheint sich zu dem desolaten Zweiklassensystem zu entwickeln, wie es in den USA seit langem der Fall ist. Die Auswirkungen des entfesselten Raubtierkapitalismus (genannt "Globalisierung") machen auch vor dem deutschen Gesundheitswesen nicht halt. Seit Wochen dauern Protestaktionen und Streiks der Ärzteschaft an, wie es sie in dieser Form in Deutschland noch nicht gab. Nun hat der Marburger Bund in Berlin einen wichtigen Sieg errungen: Der Aufsichtsrat der Berliner Charité ebnet den Weg für den Tarifvertrag, auf deutsch: Ärzte kriegen mehr Geld.
Konstituierende Sitzung bringt bedeutende Entscheidung
Berlin, 28. April 2006. Der Aufsichtsrat der Charité hat auf der heutigen Sitzung dem Tarifangebot an den Marburger Bund zugestimmt. Damit ist der Weg zu einem Tarifvertrag für die Ärztinnen und Ärzte der Charité aus der Sicht des Arbeitgebers geebnet. Da auch die Gremien des Marburger Bundes dem Angebot bereits zugestimmt haben, ist der neue Vertrag nun gesichert. Bereits am 1. Juni 2006 wird er dann in Kraft treten.
Rund acht Millionen wird der Vertrag die Charité zusätzlich kosten. "Wir sind mit unserem Angebot hart an unsere finanziellen Grenzen gegangen", erläutert Dr. Behrend Behrends, "wir sind aber sicher, dass wir die zusätzliche Belastung schultern können." Das Ergebnisrisiko der Charité bis zum Jahr 2010 war zuletzt auf unter 200 Millionen Euro gesunken und wird nun wieder etwas ansteigen. Man werde diese Mehrbelastung aber nicht durch Kürzungen bei den Gehältern der anderen Mitarbeiter einsparen, versicherte der Klinikumsdirektor.
Neue Arbeitszeitmodelle, längere Vertragslaufzeiten und eine Anhebung der Wochenarbeitszeit auf 42 Stunden - das sind die zentralen Punkte des Tarifvertrages. Eine monatlich gezahlte Arztzulage gleicht die Mehrarbeit aus. Bei dem neuen Vorschalttarifvertrag handelt es sich um eine Interimslösung: Ab der zweiten Jahreshälfte können die Gespräche von den Tarifpartnern wieder aufgenommen werden. Sollte es bereits früher zu einem Tarifabschluss zwischen Marburger Bund und der Tarifgemeinschaft der Länder TdL kommen, kehrt man direkt an den Verhandlungstisch zurück.
Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Thomas Flierl ist froh, dass der drohende Streik von der Charité so abgewendet werden konnte. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit, eine Tarifstrategie für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entwickeln. "Der Aufsichtsrat erwartet zu seiner nächsten Sitzung im Mai 2006 als Teil des überarbeiteten Unternehmenskonzeptes "Charité 2010" die Vorlage unterschiedlicher Tarifszenarien."
Auf der heutigen Sitzung hat der Aufsichtsrat erstmals in seiner neuen Zusammensetzung getagt. Die neuen Mitglieder Prof. Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Birgit Radow, Vorstandsvorsitzende der gesetzlichen Krankenkasse SECURVITA BKK, und der frühere Vorsitzender des Medizinausschusses des Wissenschaftsrates Prof. Dietrich Niethammer werden den Aufsichtsrat nun mit ihrem externen Sachverstand unterstützen. Eine weitere Neuerung: Mit dem neuen Universitätsmedizingesetz sitzen nun auch drei Mitarbeitervertreter im Aufsichtsrat. Prof. Achim Jörres, Dr. Oliver Peters und Pia Perkuhn wurden kürzlich gewählt und vertreten die Interessen der Beamten, Angestellten und Arbeiter der Charité.
(Quelle: IdW 2006) {mosaddphp:buecher-content.php,Ärzte}
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