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| Eine Weltchronik des Reisens | | Drucken | |
Seite 1 von 2 Von: Friederike Rüll, Göttingen.Die Geschichte der Ethnologie ist eine Geschichte der Weltreisenden, und oft sagen die Erträge solcher Reisen mehr über ihre Verfasser aus als über ihr Sujet. Was gut 2200 Jahre vor der Begründung des Faches als akademische Disziplin begann, ist zugleich eine Geschichte der Fremdbilder und damit Geistesgeschichte- und so ist das 1000seitige Werk auch konzipiert. Ein Werk, das alle geistigen Strömungen von Herodot über berühmte islamische und asiatische Weltreisende, vom Altertum über die europäische Renaissance kontextualisiert, die Geburt der empirischen Forschung, Herder und schließlich die Forschungsreisenden, die heute den Kanon der modernen Ethnologie bilden – einschließlich neuester Strömungen wie den Kulturmaterialismus, Foucault oder den Postkolonialismus. Sehr detailreich, erliegt diese Ethnologiegeschichte nicht der Versuchung, einer der Teleologien zu verfallen, die sie ihrem Gegenstand bis in unsere Zeit hinein nachweist... nicht nur interessant für Ethnologen, sondern für alle, die ein grundlegendes Interesse an Kulturtheorie und Geistesgeschichte haben. Wahrlich kein Buch für die Hosentasche: zählt man alle Anhänge und Register mit, sind es stolze 1095 dicht beschriebene Seiten, die mehr als einen Einblick in die Grundlagen einer Disziplin versprechen. Wer auf Details verzichten will, wer nicht mehr als einen Überblick sucht, muss auf eine- vielleicht irgendwann folgende? – komprimierte Version dieser Ethnologiegeschichte warten. {mosaddphp:google-friederike.php} Und ein mutiges Unterfangen, denn es handelt sich, fasst man den Ethnologiebegriff, wie der Autor, sehr weit, um eine der ältesten Disziplinen: eine knappe Hälfte des Werks ist den Reisenden und Kultur („Cultur“) –theoretikern gewidmet, die der Etablierung der Ethnologie als wissenschaftliche Disziplin vorausgingen- um 2200 Jahre, wenn Herder als der erste Ethnologe im engen Sinne gelten soll. Petermann beginnt seine Geschichte des Reisens, seine Geschichte der Kulturforscher und kulturellen Missverständnisse, denn auch das ist sie in weiten Teilen, mit dem Bestreben um „Wissen über Sitten und Gebräuche“ Herodots von Halikarnassos (geb. 490 v.Chr.). Und, ja, es gab Nachholbedarf: ein vergleichbares Werk wurde in Deutschland zuletzt 1948 aufgelegt. Seither hat sich viel getan. Und auch wenn Mühlmanns „Geschichte der Anthropologie“ verschiedentlich Neuauflagen erfahren hat (zuletzt allerdings 1984), hat es in seiner theoretischen Ausrichtung, seiner Konzentration auf den Fachkanon einen zur Herangehensweise Petermanns kaum vergleichbaren Ansatz. Bedenkt man noch, dass für Nachschlagewerke des englischsprachigen Raums die andere, breitere Ausrichtung der angelsächsischen Cultural Anthropology immer mitgedacht werden muss, gewinnt die nun vorliegende Ethnologiegeschichte tatsächlich Präzedenzcharakter.
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