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Sommertemperaturen vor 125000 Jahren heisser als heute |
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Da wird es dem Neanderthaler, der vor rund 125.000 Jahren als
einzige Menschenart in Europa lebte, sicher sehr warm unter dem
Mammutpelz geworden sein: wenn es - wie jetzt Forscher an der Uni Bonn
herausfanden mittels einer vergleichenden Methode anhand fossiler Pflanzenreste -
vor rund 125.000 Jahren in unseren Breiten noch rund 2 Grad wärmer war
als heute im Durchschnitt der letzten Jahre. Dies würde zugleich
bedeuten, dass heisse Sommer wie die des Jahres 2003 durchaus auch
unter natürlichen Umständen in Mitteleuropa einmal auftraten. Sicher
trotzdem kein Grund Entwarnung in Sachen Klimaveränderung zu geben.
Wem die vergangenen Sommer schon zu heiß waren, den tröstet vielleicht
ein Blick in die Vergangenheit: Während der letzten Warmzeit vor
125.000 Jahren lagen die Sommertemperaturen in Deutschland
durchschnittlich noch um ein bis zwei Grad höher als heute. Zu diesen
Ergebnissen kommen Klimaforscher aus Hamburg und Berlin zusammen mit
Paläontologen der Universität Bonn. In ihrer Studie haben sie eine
Computersimulation gegen ein Verfahren antreten lassen, das Klimadaten
aus Pflanzenfossilien herleitet. Erfreuliches Ergebnis: Beide Methoden
lieferten ähnliche Resultate; die Klimamodelle scheinen also auch für
die Vergangenheit gut zu funktionieren Ursache der hohen Temperaturen
waren damals übrigens nicht die Treibhausgase - deren Konzentration war
in vorindustrieller Zeit weit niedriger als heute. Unterschiede in
Erdneigung und -umlaufbahn sorgten stattdessen in hohen Breiten für
eine stärkere Sonneneinstrahlung. Der Artikel ist in der renommierten
Zeitschrift "Geophysical Research Letters" (Band 32, Heft 11)
erschienen und wurde von den Herausgebern zum "Journal Highlight"
gewählt.
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Jede Blume, jeder Baum, jeder Strauch hat sein ganz spezifisches
"Wohlfühl-Klima". Damit neben einer Buche auch noch Bärlauch und
Buschwindröschen wachsen, muss das Klima allen drei Pflanzen zusagen.
"Wir finden häufig an ein und derselben Fossillagerstätte Pflanzenreste
wie Früchte, Samen oder Blütenstaub von über zehn verschiedenen Arten",
erklärt Professor Dr. Thomas Litt, Paläobotaniker an der Universität
Bonn. "Für keine dieser Pflanzen ist es damals zu warm oder zu kalt, zu
feucht oder zu trocken gewesen. Aus ihren Standortansprüchen können wir
daher Wahrscheinlichkeitsaussagen über das Klima ableiten und somit
genau die damaligen Temperaturen rekonstruieren."
Mit dieser Methode haben Litt und sein Mitarbeiter Norbert Kühl
Klimakarten für die so genannte Eemwarmzeit vor etwa 125.000 Jahren
gezeichnet. Frank Kaspar vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in
Hamburg und Ulrich Cubasch von der FU Berlin haben einen Klimarechner
an dieselbe Aufgabe gesetzt. Mit vergleichbarem Ergebnis: "Nördlich der
Alpen war es damals im Sommer rund ein bis zwei Grad wärmer als heute",
fasst Litt die Resultate zusammen. Im Winter herrschten dagegen in
Westeuropa um ein bis zwei Grad Temperaturen, während man sich in
Skandinavien und Osteuropa nicht so dick hätte vermummen müssen wie
heute: In Finnland war es damals mehr als 5 Grad wärmer.
Vor 125.000 Jahren bevölkerten erst wenige Menschen unseren Planeten;
die Treibhausgas-Konzentration lag erheblich niedriger als heute.
Dennoch kam es in den letzten 800.000 Jahren immer wieder zu extremen
Klimaschwankungen, die einem strengen Rhythmus folgten: Auf Warmzeiten
von durchschnittlich 11.000 Jahren Länge folgte jeweils eine Periode
der Abkühlung; dieser Zyklus wiederholte sich alle 100.000 Jahre. Als
Grund dafür sehen viele Experten regelmäßige Änderungen der
Erdbahn-Parameter. So läuft die Erde nur 100.000 Jahre auf exakt
derselben Bahn um die Sonne, und auch die Neigung der Erdachse bleibt
nicht konstant: Sie pendelt zwischen 21,8 und 24,4 Grad; momentan liegt
sie bei 23,5 Grad. Diese so genannten "Milankovich-Zyklen" beeinflussen
die Sonneneinstrahlung.
Die Berliner und Hamburger Forscher haben ihren Rechner daher vor der
Simulation mit den Erdbahnparametern während der Eeemwarmzeit sowie der
damaligen Konzentration der Treibhausgase gefüttert. Dass die
klimatischen Fieberkurven nun bei beiden Methoden nahezu parallel
verlaufen, bestätigt den enormen Einfluss, den Erdumlaufbahn und
-Neigung auf unser Klima haben. Für die damaligen milden Winter sind
überdies ein erhöhter Transport von warmen ozeanischen Luftmassen und
eine geringere Eisbedeckung des arktischen Meeres verantwortlich.
Kontakt:
Professor Dr. Thomas Litt
Institut für Paläontologie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2736 oder -3103
E-Mail:
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» 1 Kommentar
1"Politikwissenschaftler" am Montag, 28. Mai 2007 23:34
Mich irritiert folgender Umstand. In dem Gore-Buch S.67 ist die Parallelität von Kohlendioxisgehalt und Temperatur sehr deutlich zu erkennen, um nicht zu sagen extrem deutlich über 650000 Jahre. Die globale Temperatur dürfte um 2-3 Grad höher gelegen haben im Eem bei ca. 270 ppm Konzentration von CO2 in der Spitze. Mich würde interessierten, wieviel Einfluß die veränderten Erdbahnparamenter wirklich auf die Temperatur hatten. Kann man das genau sagen oder gibt es Unsicherheiten? Und wenn ja welc
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