Gesundheitsexperten über Hygienemängel alarmiert

Gesundheitsexperten über Hygienemängel alarmiert

ARD-Plusminus: Gesundheitsexperten über Hygienemängel und fehlende Vorsorge in deutschen Krankenhäusern alarmiert Köln, 24. Januar 2005 - In keinem anderen Land in Europa vermehren sich die besonders gefährlichen, resistenten MRSA-Keime so schnell wie in deutschen Krankenhäusern. Das berichtet das ARD-Wirtschaftsmagazin *Plusminus" in seiner Sendung am 25. Januar, um 21.55 Uhr im Ersten.

Der MRSA-Keim löst nach Plusminus-Recherchen in deutschen Krankenhäusern bei
jährlich 35.000 Patienten Wundinfektionen, Lungen- und Knochenentzündungen
aus, die nur schwer zu behandeln sind. Rund 1.500 Menschen sterben daran.
Gegen die Keime seien die meisten Antibiotika inzwischen unwirksam. Manchmal
wirke nur noch ein einziges Medikament. Experten wie Prof. Wolfgang Witte
vom staatlichen Robert-Koch-Institut in Wernigerode zeigen sich über die
Zunahme beim MRSA-Keim, wissenschaftlich ein *Methylicilin-resistenter
Staphylokokkus aureus", äußerst besorgt.

Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass 1990 ein Prozent der
Staphylokokkus-Bakterien (MRSA-Keim) in den Krankenhäusern gegen
herkömmliche Antibiotika resistent war, inzwischen seien es 20-mal soviel.
Ursachen seien mangelhafte Hygiene und Vorsorge in den Kliniken, weil
Hygiene- und Vorsorgeempfehlungen der Krankenhauskommission des
Robert-Koch-Institutes nicht beachtet würden.

Dabei gäbe es allerdings, so Prof. Wolfgang Witte, bei MRSA-Infektionen
große Unterschiede zwischen einzelnen Krankenhäusern: Während in einigen
deutschen Kliniken nur jeder hundertste Keim gegen die üblichen Antibiotika
resistent sei, sei es in anderen Krankenhäusern jeder dritte.

In den Niederlanden, so berichtet *Plusminus" weiter, finde man dank einer
konsequenten Vorsorge heute so wenig MRSA-Keime wie in Deutschland vor 15
Jahren. Dort würden Risikopatienten, die eine offene Wunde haben oder zuvor
in einem deutschen Krankenhaus waren, bei der Aufnahme in die Klinik gezielt
auf MRSA-Keime untersucht. Bis das Laborergebnis vorliege, würden sie vom
normalen Krankenhausbetrieb isoliert untergebracht. Weil sich auf diese
Weise deutlich weniger Patienten im Krankenhaus mit resistenten Keimen
anstecken, sei die Vorsorge erheblich billiger als die Ausgaben, die man
ohne Vorsorge für die Behandlung von neu infizierten MRSA-Kranken aufwenden
müsste. Das hätten Untersuchungen in niederländischen Kliniken ergeben.

Auch ein mittleres deutsches Krankenhaus, so Prof. Axel Kramer, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) zu Plusminus, könne
durch mehr Vorsorge bei MRSA rund 200.000 Euro im Jahr einsparen. Auf alle
deutschen Krankenhäuser umgerechnet würde sich damit eine mögliche jährliche
Einsparung von knapp 450 Mio. Euro.

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