Philipps-Universität Marburg auf dem Weg zu einer familiengerechten Hochschule
In Ihrer Pressemitteilung vom 21. Januar 2005 berichtete die Uni Marburg über die Weichenstellung hin zu einer familienfreundlichen Universität:
Auf Initiative der Frauenbeauftragten der Philipps-Universität Marburg, Frau Dr. Silke Lorch-Göllner, hat das Präsidium entschieden, das Audit Familiengerechte Hochschule durchzuführen: Am 25. November 2004 unterschrieb der Präsident, Prof. Dr. Volker Nienhaus, den Vertrag mit den externen Auditorinnen der Beruf und Familie gGmbH der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.
Auf Initiative der Frauenbeauftragten der Philipps-Universität Marburg, Frau Dr. Silke Lorch-Göllner, hat das Präsidium entschieden, das Audit Familiengerechte Hochschule durchzuführen: Am 25. November 2004 unterschrieb der Präsident, Prof. Dr. Volker Nienhaus, den Vertrag mit den externen Auditorinnen der Beruf und Familie gGmbH der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Damit beginnt ein Evaluierungs- und Weiterentwicklungsprozess, dessen Ziel es ist, eine familienbewusste Personal- und Studierendenpolitik zu definieren, verbindlich zu vereinbaren und im Laufe von drei Jahren umzusetzen. Verläuft dieser Prozess erfolgreich, erhält die Philipps-Universität das Zertifikat Familiengerechte Hochschule.
Nach wie vor ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein großes Problem für Studierende und Angestellte der Hochschulen. Allzu häufig müssen sich immer noch vorwiegend Frauen entscheiden, ob sie eine Karriere anstreben oder die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftiger Angehörigen übernehmen wollen. Denn nur selten bieten Hochschulen effektive Hilfestellungen an, um den Spagat zwischen der Familienbetreuung und dem Studium oder der beruflichen Tätigkeit zu erleichtern. Dadurch geht der Wissenschaft und Wirtschaft ein großes Potenzial an weiblicher Kompetenz verloren. Alarmierend ist weiterhin die Tatsache, dass inzwischen 41% aller Akademikerinnen kinderlos sind und bleiben.
Der Großteil junger Akademiker und Akademikerinnen will nach der in Deutschland relativ langen Studienzeit zunächst erst einmal Berufserfahrungen sammeln und einen höheren Lebensstandard genießen. Für junge Frauen läuft dann „die biologische Uhr“, und sie erreichen ein Alter, das als Risikoschwelle zur Geburt gesunder Kinder gelten muss. So können viele Akademikerpaare ihren ursprünglichen Wunsch nach Kindern nicht mehr realisieren.
Nur eine kleine Minderheit von Studierenden (6-10%) entscheidet sich schon während des Studiums, Verantwortung für Kinder zu übernehmen, obwohl biographisch gesehen die Studienzeit ein günstiger Lebensabschnitt für die Familiengründung sein könnte.
Studierende mit Kindern zu unterstützen, ist ein Ziel, das die Initiatoren des „Audit „Familiengerechte Hochschule“ verfolgen. Des weiteren sollen aber auch die Arbeitsbedingungen für das gesamte Personal der Hochschulen familienfreundlicher gestaltet werden: „Ziel des Audits ‚Familiengerechte Hochschule’ ist es, Leitbilder und konkrete Arbeitsstrukturen zu entwickeln und in das alltägliche Leben der Hochschulen so zu implementieren, dass Studium, Lehre, Forschung, Dienstleistungen und Verwaltung nach ihren jeweiligen Ansprüchen und Standards funktionieren und zugleich mit Familie, mit der vollen Wahrnehmung elterlichen Aufgaben vereinbar werden.“ (Familiengerechte Hochschule, S. 7/8)
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich schon seit 1995 in dem Themenfeld Beruf und Familie und hat bereits das Audit Beruf und Familie für Unternehmen der Privatwirtschaft entwickelt, das mittlerweile zu einem anerkannten Managementinstrument geworden ist. Auch das „Audit Familiengerechte Hochschule“ ist an einigen Pilot-Hochschulen erfolgreich erprobt worden (so z.B. an der Universität Trier und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel). Aufgrund der Ergebnisse hat das Hessische Sozialministerium beschlossen, die Kosten für die Auditierung von fünf hessischen Hochschulen, darunter auch die Philipps-Universität, zu übernehmen. Die Auditierung wird von zwei externen Auditorinnen übernommen, die zum einen die Rolle von Zu/Hörerinnen (audire = hören) übernehmen, zum anderen aber auch Hilfestellungen bei der Vereinbarung der Ziele und des Maßnahmekatalogs leisten.
Wie wird die Auditierung nun konkret an der Philipps-Universität verlaufen?
Zunächst wird – nach dem inzwischen durchgeführten Vorbereitungsgespräch mit den beiden Auditorinnen Dr. Sibylle Rahner und Christine Bald – eine Projektgruppe zusammengestellt, deren TeilnehmerInnen möglichst alle Interessen- und Statusgruppen der Universität repräsentieren soll. Diese wird sich Ende Januar zu einem eintägigen Workshop treffen, um auf der Grundlage der Ist-Situation solche Ziele und Maßnahmen zu erarbeiten, die der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Studium dienen sollen und im Laufe von drei Jahren zu realisieren sind. Im Vordergrund stehen dabei folgende acht Handlungsfelder: Arbeitszeit, Arbeitsorganisation und Arbeitsort, Formen der Personalentwicklung, Entwicklung von Führungskompetenz, Informations- und Kommunikationspolitik, Service für Familien und, nicht zuletzt, das Studium und die wissenschaftliche Qualifizierung. Die Resultate dieses Workshops fließen in eine Zielvereinbarung mit der Beruf & Familie gGmbH der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Damit verpflichtet sich die Hochschule, die von der Projektgruppe erarbeiteten Ziele innerhalb von drei Jahren umzusetzen.
Nach der Auditierung, die innerhalb von drei Monaten durchgeführt werden muss, erhält die Universität zunächst ein so genanntes „Grundzertifikat“. Dieses besagt zunächst nur, dass sie sich dem Audit unterzogen, sich Ziele gesetzt und weiterführende Maßnahmen erarbeitet hat. Über die Fortschritte bei der Umsetzung wird die Hochschule jährlich Bericht erstatten. Nach drei Jahren findet die abschließende Re-Auditierung statt – und zu diesem Zeitpunkt wird sich entscheiden, ob die Hochschule das angestrebte „Zertifikat Familiengerechte Hochschule“ tatsächlich erhalten wird.
Weitere Informationen:
Dr. Silke Lorch-Göllner, Büro der Frauenbeauftragten, Tel. 06421-2826187, E-Mail: frauenb@verwaltung.uni-marburg.de
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