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 Wilder Braunbär - keine Chance in Deutschland? (c:WWF) Kaum ist er wieder da, der "Meister Petz" aus den Grimms Märchen,
den der deutsche Zeitgenosse so gerne im Fernsehen in wildromantischer
Wildnis oder im Zoo betrachtet, soll er auch schon wieder abgeknallt
werden. Was unsere österreichischen, italienischen und osteuropäischen
Nachbarn ganz entspannt vorleben, nämlich das Zusammenleben mit wilden
Bären in den dafür geeigneten Biotopen, bringt uns hierzulande aus der
Fassung.
Gierig stürzt sich die Medienlandschaft auf das Thema. Reisserisch
titelt man "der Bär ist los". Wenngleich das Tier, welches anscheinend
aus den italienischen Alpen gekommen ist, offenbar ein
Problemexemplar ist, das zur Sicherheit besser eingefangen werden
sollte (anstatt es abzuknallen wie vor 150 Jahren üblich) verheisst die
geradezu panisch-hysterische Reaktion der betroffenen Bewohner
und die populistische Anweisung aus München, das Tier zu töten, nichts
Gutes für die natürliche Wiederansiedlung des grössten
mitteleuropäischen Raubtiers auf deutschem Boden. Der Plan, das sich
die bislang isolierten Alpenpopulation auf natürliche Art wieder
verbinden, scheint durch die deutsche Haltung gefährdet.
Frankfurt, 21. Mai 2006 - Der Bär, der seit Tagen durch Tirol wandert,
ist in Bayern angekommen. WWF-Bärenanwalt Jörg Rauer bestätigte, dass
ein Schafriss im oberbayerischen Grenzgebiet zu Tirol von einem Bären
stammt. Damit ist seit über 170 Jahren erstmals wieder ein Bär in
Deutschland.
„Der WWF heißt den Bären in Deutschland willkommen,“ freut sich Volker
Homes, Artenschützer beim WWF Deutschland. Woher der Bär genau stammt,
ist bisher nicht bekannt. Genproben werden zur Zeit in Italien
überprüft. Vermutlich handelt es sich ist um einen Bären aus dem
Trentino in Italien.
Der sehr wanderfreudige Bär hat sich in den vergangenen Tagen in Tirol
wenig scheu gezeigt. Der WWF ist deshalb mit einer Bärenfalle vor Ort,
um das Tier zu fangen und mit einem GPS-Sender auszustatten. Ziel ist
es, dadurch zu wissen, wo sich das Tier aufhält und so rechtzeitig
eingreifen zu können, wenn der Bär sich menschlichen Siedlungen nähert.
„Diesem Bären muss man die Angst vor dem Menschen wieder antrainieren“,
erklärt Homes. Mit Hilfe von Knallkörpern und Gummigeschossen kann er
daran gehindert werden, dem Menschen zu nahe zu kommen.
In Österreich leben derzeit etwa 30 Bären. Dank der Aufklärungsarbeit
der Bärenanwälte kam es in den vergangenen 30 Jahren zu keinen
Zwischenfällen, bei denen Menschen zu Schaden gekommen wären.
Wanderern im Bärengebiet empfiehlt der WWF durch Singen und Pfeifen auf
sich aufmerksam zu machen. Der WWF warnt eindringlich davor, auf
Bärensuche zu gehen. „Der Bär ist ein Wildtier und nicht zu
unterschätzen. Wenn er sich in die Enge gedrängt fühlt, kann er sehr
gefährlich werden“, warnt Homes.
Der WWF und die Bärenanwälte bedanken sich bei der Bevölkerung in Tirol für ihr kooperatives Verhalten in den vergangenen Tagen. {jos_fona_sb_discuss:2}
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