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| Falls ein Gott die Naturgesetze erschuf, so erschuf er auch das Leben durch Evolution | | Drucken | |
Seite 2 von 6 ![]() Bildtext: Prof. Manfred Eigen, auch nach seiner Emeritierung noch sehr aktiv. Der Göttinger Ehrenbürger und Nobelpreisträger schreibt gerade an einem neuen 800-Seiten Buch über die Entstehung des Lebens und reist mehrmals im Jahr in die USA, wo er auch heute noch ein gefragter Gesprächspartner ist und sich rege mit dortigen Wissenschaftlern austauscht. Eine der bekanntesten Theorien, über die im Zusammenhang mit der Entstehung und Selbstorganisation des Lebens viel berichtet wird, sind die „Ursuppen“-Experimente aus dem Jahre 1953von Stanley Miller und Harold Urey. Worin genau bestand im Vergleich dazu Ihr Ansatz? Manfred Eigen: Der Ansatz von Miller war ein anderer als der unsere: Er zeigte, dass Aminosäuren sich unter Bedingungen, wie sie vermutlich auf der frühen Erde herrschten, bilden können, und zwar in der ungefähren Häufigkeit, in der sie auch in der Natur vorkommen, also wie sie in Proteinen erscheinen und wie man sie heute auch in Meteoriten vorfindet. Das war ein sehr wichtiges Experiment aus den 50er Jahren. Prof. Leslie Orgel machte dann ähnliche Experimente mit Nukleinsäuren. Bei beiden Ansätzen könnte man von einer „Ursuppe“ sprechen. Ein früherer Mitarbeiter von mir, Prof. Christof Biebricher, der auch noch hier am MPI tätig ist, macht derzeit solche Experimente in einer kalten Ursuppe. Er arbeitet dabei mit einem Hamburger Forscher zusammen, der sich für ein ganzes Jahr in einer Forschungsstation am Nordpol aufgehalten hat. Dieser Wissenschaftler untersuchte, welche Lebewesen es dort im Packeis gibt. Es stellte sich heraus, dass eine große Vielzahl von Lebensformen in diesem Lebensraum vorkommt, der seiner chemischen Zusammensetzung nach Seewasser und durch einen sehr hohen Salzgehalt charakterisiert ist. Bei dieser Mischung aus Meerwasser und Eis handelt es sich um auskristallisierendes Wassers in Eisform ohne Salz und der dann höher konzentrierten Salzlösung. Prof. Biebrichers Forschungsabteilung hat diese Bedingungen im Labor simuliert und konnte überraschenderweise zeigen, dass in dieser Suppe die Entstehung von Nukleinsäuren (also diese Ursynthese) viel besser möglich ist als unter den bisher als optimal postulierten Bedingungen der Urerde, die man im Labor nachgestellt hatte. Meine Versuche waren jedoch anders. Ich ging von der Frage aus, welche physikalischen und chemischen Bedingungen herrschen müssen, damit Leben enstehen konnte. Heraus kam, dass Nukleinsäuren vorhanden sein müssen, damit die Selbstorganisation des Lebens funktioniert. Später haben dann ja die Proteine die Exekutivfunktion übernommen, jedoch sind Nukleinsäuren unabdingbar, damit der Prozeß überhaupt initiiert wird. Wir haben das zunächst theoretisch aufgeklärt und später – zusammen mit Christoph Biebricher (der das jetzt alleine weitermacht) - experimentell erhärtet, und zwar an Lösungen im Reagenzglas. Wir taten dies aber nicht, um eine Urerde zu simulieren, sondern um die physikalischen und chemischen Bedingungen herauszufinden, die erfüllt sein müssen, damit solche Prozesse ablaufen können. Es stellte sich zudem heraus, dass diese Experimente, bei Einstellung optimaler Bedingungen, sogar großtechnisch in speziellen Maschinen ablaufen können. Daraus ist eine ganze Technologie geworden. Wir haben seinerzeit die Firma Evotec gegründet, die heute über 600 Mitarbeiter beschäftigt, eine der wenigen erfolgreichen deutschen Biotechfirmen ist. Die Ansätze der Ursuppenexperimente von Stanley Miller und Harold Urey interessieren mich also natürlich sehr, aber in meiner Forschung ging es, wie ich ausgeführt habe, mehr darum, das Prinzip des Lebens aufzuklären. |
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